Deutscher Freundeskreis Weinetiketten-Sammler

Sammelgebiete

Im Prinzip kann man unter dem Motto Alles aus aller Welt jedes Etikett in seine Sammlung aufnehmen. Allerdings benötigt eine solche umfassende Sammlung sehr viel Zeit und Platz. Daher beschränken sich die meisten Sammler und Sammlerinnen auf ein Thema oder mehrere Themen. Dazu einige Vorschläge:
In vielen Fällen wird sich die Sammlung und ihre Schwerpunkte im Laufe der Zeit entwickeln. Der Anfänger muss oft feststellen, dass ein zu weites Sammelgebiet bald nicht mehr zu beherrschen ist. Die Etiketten stapeln sich in diversen Kisten und man hat weder Zeit noch Platz, um alles angemessen unterzubringen. Dann ist es an der Zeit, sich von einigen Sammelgebieten zu trennen. Andere erleben den entgegengesetzten Effekt. Nach eifrigem Sammeln wird es immer schwerer, noch weitere Exemplare zu finden. Besonders schwierig ist die Aufgabe der Lagensammler. Anfangs schrumpft die Anzahl der noch fehlenden Lagen schnell. Irgendwann verbleiben nur noch die ganz schwierigen Fälle. Hier hilft oft auch der Austausch mit anderen Sammlern (Die Lage fehlt mir auch noch!) nicht mehr weiter. Nur durch aufwändige Recherchen lassen sich - wenn überhaupt - noch Lücken schließen. In einem solchen Fall kann man die Sammlung auf andere Themen ausweiten.

Postfrisch oder gestempelt?

Bei Briefmarken ist der Gebrauchszustand ein wichtiges Merkmal. Ähnlich stellt sich für den Sammler bei Weinetiketten die Frage, ob man unbenutzte oder von Flaschen abgelöste bevorzugt. Beides hat Vor- und Nachteile. Die Qualität eines Etikettes leidet natürlich, wenn es aufgeklebt, transportiert, im feuchten Keller gelagert und schließlich von der geleerten Flasche mehr oder weniger mühsam wieder getrennt wurde. Man kann diese Spuren bedauern, aber auch als Zeichen eines ausgefüllten Etikettenlebens schätzen. Schließlich weiß man auf der anderen Seite bei einem druckfrischen Etikett oft nicht einmal, ob dieser Typ überhaupt jemals verwendet wurde. So bleibt jedem überlassen, ob er sich auf die eine oder andere Art von Etiketten beschränken möcht, oder großzügig je nach Lage entscheidet.

Zwei Sonderfälle verdienen Erwähnung. Zum einen sind dies Musteretiketten, also Etiketten die von den Druckereien den Kunden als Vorlagen angeboten werden. Solche Muster sind leicht am entsprechenden Eindruck mit dem Namen der Druckerei sowie weiteren Angaben wie dem Preis oder der Verfügbarkeit zu erkennen. Teilweise tragen sie Phantasiebezeichnungen für die Weinlagen. Zwei Beispiele der Firmen Etiketten-Müller in Berlin und Ferd. Wefers & F. Audiger in Kempen und sind unten dargestellt. Für mehr an der graphischen Gestaltung interessierte sind diese Muster sehr interessant. Schließlich dokumentieren sie die verschiedenen Strömungen und Moden. Auch die Vielzahl der Druckereien und ihre Geschichte ist ein spannendes Thema. Demgegenüber wird der auf das Thema Wein spezialisierte mit diesen Etiketten wenig anfangen kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei sicherlich das Alter: Kein Sammler wird ein Musteretikett von 1910 ablehnen während aktuelle Muster wenig gesucht sind.

Aussagekräftiger, aber für den Sammler immer noch nicht perfekt, sind Hausetiketten ohne weiteren Eindruck wie beispielsweise das Exemplar der Weinkellerei der Lohegrin-Werke. Durch die fehlenden Angaben zur Herkunft und Art des Weines wirkt das Etikett etwas nackt. Angesichts der bei Weinen unüblichen Aufschrift Deutsches Erzeugnis bleibt sogar der Verdacht, dass es sich am Ende gar nicht um ein Weinetikett handelt. Noch ein Hinweis: in der rechten, unteren Ecke - soweit man bei dieser speziellen Form von einer Ecke sprechen kann - findet man den kleinen Eindruck J. 32860. Es handelt sich demnach um ein Etikett der Firma Illert aus Steinheim (später Klein-Auheim) bei Hanau. Diese Firma hat alle Etiketten fortlaufend nummeriert. Das dargestellte ist demnach bereits der 32860. Entwurf. Eine grobe Regel über das Alter der Illert-Etiketten besagt, dass die ersten zwei Stellen minus 10 etwa dem Jahr der Entstehung entspricht.

Der zweite Sonderfall betrifft sozusagen zweckentfremdete Etiketten. Ich denke hier beispielsweise an Etiketten, die mit entsprechenden Grüßen als Ersatz für Ansichts- oder Grußkarten verschickt wurden. Eine so entstandene Karte aus dem 1. Weltkrieg ist unten gezeigt. In diesem Fall handelt es sich um ein sehr schlichtes Etikett (allerdings aus dem ausgesprochen seltenen Jahrgang 1913), das aber eingebunden in den geschichtlichen Kontext einen besonderen Reiz hat.

Organisation einer Sammlung

Weinetiketten haben als eigenes Sammelgebiet keine große Bedeutung. Daher gibt es kaum eigene Alben oder anderes Zubehör. Man kann sich aber gut die für Ansichtskarten-Sammler angebotenen Alben verwenden. Alle großen Anbieter von Briefmarkenzubehör haben auch Alben für Ansichtskarten im Programm. Viele Sammler/innen kleben die Etiketten auch einfach auf Papier. Um die Etiketten nicht zu beschädigen, sollte man dabei den Kleber sorgfältig auswählen.
Bei einer umfangreichen Sammlung wird allerdings der Platzbedarf (und die Kosten) für Alben sehr groß. Einen Ausweg bietet eine Zweiteilung: die besten Stücke kommen in Alben, alle anderen in Plastikhüllen (Ansichtskarten-Zubehör) oder Pergamintüten.
Wichtig ist die Frage der Sortierung. Nach welchem Kriterium soll man die Etiketten einordnen? Ich selbst unterscheide nach Land - Region - Winzer. Das Problem ist, dass man sich für ein Kriterium entscheiden muss. Benötige ich jetzt beispielsweise für eine Ausstellung Etiketten mit einem besonderen Motiv, dann hilft die Sortierung nach Winzern nicht weiter. Hilfreich ist es, wenn man die Etiketten in eine elektronische Datenbank einträgt. Idealerweise speichert man zu jedem Eintrag noch das digitale Bild ab. Man hat dann eine virtuelle Sammlung, in der man leicht suchen kann.

Wie kommt man zu Etiketten?

Die meisten beginnen mit den Etiketten der selbst getrunkenen Weinen. Man hebt ein Etikett wegen der Gestaltung oder des besonderen Anlasses auf. Zu diesem Zweck gibt es Bücher, in die man die Etiketten mit entsprechenden Notizen einkleben kann. Ist man aber erst mal vom Sammelfieber gepackt, so sucht man nach weiteren Möglichkeiten, an die begehrten Stücke zu kommen. Dazu einige Anregungen:

Was kann man sonst noch sammeln?

Neben den Etiketten bieten sich einige verwandte Gebiete an. Einige Beispiele: Für Motivsammler oder Heimatsammler sind die Weinetiketten oft nur ein Teilaspekt. Wenn jemand alles über Vögel oder alles aus Eltville sammelt, dann gehören Weinetiketten dazu, aber auch Ansichtskarten, Bücher, Bieretiketten, und so weiter.

Stephan Euler

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