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Album Mouton Rothschild

Vielleicht hat sich der eine oder die andere gewundert, warum es auf dieser Seite so wenig zu den Künstler-Etiketten von Mouton-Rothschild gibt. Schließlich sind diese Etiketten wohl die berühmtesten und die komplette Serie ist ein Highlight in jeder Sammlung. Daher werden für diese Etiketten durchaus hohe Preise verlagt und selbst Nachdrucke (Specimen) erzielen Preise, für die man auch schon eine sehr ordentliche gefüllte Flasche Wein bekommen würde. Aber: es gibt eine ganze Reihe von Webseiten mit mehr oder weniger vollständigen Serien. In diesem Sinne beschränken wir uns hier auf wenige Beispiele und verweisen ansonsten auf die schöne Webseite des Weinguts mit den Etiketten und Informationen zu den Künstlern (hier).

Zur Geschichte dieser Etiketten-Serie schrieb der DFWS-Begründer Jürgen Cantstetter in den Flaschen-Ansichten Ausgabe 44 vom August 2021:

Damit konnte Philippe Baron de Rothschild absolut nicht rechnen, dass er mit seiner Idee gleich zwei Sensationen auslöste. Zum einen wollte er seinen Spitzenwein Premier Cru Classé des Jahrgangs 1924 erstmals mit einem von einem Künstler speziell für diesen Wein geschaffenen Etikett ausstatten. Zum anderen schuf er mit diesem genialen Marketingtrick die Pionierarbeit für das erste Künstleretikett. Doch seine rund 4.000 Berufskollegen im Bordeaux hatten dafür überhaupt kein Verständnis und gingen - bildlich gesprochen - "auf die Barrikaden". Sie drohten dem Baron sogar wegen diesem "lächerlichen Etikett" für einen Bordeaux- Spitzenwein des Weinguts nördlich von Pauillac mit Rauswurf aus dem Weinbauverband. Das konnte der Baron natürlich für das größte Weingut der Welt nicht zulassen. Somit blieb das von dem Pariser Künstler Jean Carlu, der allgemein als "Musketier des Plakates" galt, entworfene Künstleretikett mit dem stilisiertem Widderkopf, dem Hauswappen der Rothschilds lange Zeit als Einzelstück und Kuriosität.

Erst Ende des zweiten Weltkriegs wagte Baron Philippe de Rothschild einen zweiten Versuch und beauftragte den damals noch unbekannten Künstler Philippe Julian, der eigentlich Schriftsteller und Dramaturg war, aber ein Fabel für Illustrationen hatte, ein Künstleretikett wieder für seinen Spitzenwein der Ernte des Jahrgangs 1945 zu schaffen. Sein Entwurf bestand eigentlich nur aus einem großen V und einigen Lorbeerzweigen und sollte das Siegeszeichen der Alliierten für Victoire oder Victory symbolisieren.

Diesmal blieb der Protest der Winzerkollegen im Bordeaux aus. Nach Kriegsende waren die Menschen mit anderen Dingen beschäftigt. Die Begründung für den zweiten Etiketten-Versuch mit einem Künstleretikett "Würdigung des Weins aber auch historischer Ereignisse" schien stichhaltig zu sein. Was 1945 klappte, war für den Baron Anlass genug, das in allen folgenden Jahren fortzusetzen. So entstand eine Serie von Künstleretiketten, die bis heute anhält und den Premier Crue Classé von Mouton Rothschild zum globalen Mythos und gleichzeitig zu begehrten Sammlerstücken machte. Die Reihe der zeitgenössischen Künstler ist inzwischen lang und geht weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Die Nationalitäten reichen von Europa über Afrika, Südkorea bis Indien. Nicht nur junge Künstler sind darunter, sondern weltbekannte Namen wie Gerhard Richter, David Hockney, Miguel Barcello, Jeff Koons, Lucian Freund, Prinz von Wales, Robert Wilson, Georg Baselitz bis hin zu Pablo Picasso, Marc Chagall, Paul Steinberg, Andy Warhol, Vassili Kandinsky und Rufino Tamayo.

Erst als Baronin Philippine de Rothschild die Leitung des bedeutendsten Weingutes der Welt übernahm, gab es zwei besondere Highlights in der langen Reihe der Künstleretiketten des Hauses Rothschild. Die erste Besonderheit erlangte der Maler Balthus, mit bürgerlichem Namen Graf Balthazar Klossowskii de Rola 1993 mit einer Zeichnung eines nackten jungen Mädchens in liegender Pose. Er löste mit diesem Künstleretikett einen handfesten aber marketingträchtigen Skandal aus. Weniger in Europa, dafür aber um so heftiger in den USA, einem der Hauptumsatzgebiete der Rothschilds. Hier sorgte das Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearus, das auch den Markt für Wein regelt, mit seiner Zensur für ein Einfuhrverbot des Weins mit diesem Etikett. Durch diese Zensur blieb den Rohschilds nichts anderes übrig, als das Etikett neu drucken zu lassen, allerdings nun ohne das beanstandete Erotik-Motiv. Dadurch wurde dieses Etikett nicht nur ein besonders begehrtes Sammlerstück, sondern alle Sammler, die beide Etiketten ihr eigen nennen, haben ein ganz besonderes Glanzstück in ihrer Sammlung.

Die zweite Besonderheit, die für großes Aufsehen in der Weinwelt sorgte, war der Jahrgang 2000. Die Baronin hatte die Idee, das neue Millenium nicht mit einem Etikett eines zeitgenössischen Künstlers auf dem Spitzenwein des Weingutes zu begrüßen, sondern die ganze Flasche sozusagen als Gesamtkunstwerk vorzustellen. Dazu hatte sie als Motiv den vergoldeten Silberdeckel eines Glashumpen aus dem 16. Jahrhundert aus dem hauseigenen Museum gewählt. Er zeigte das Bildnis des Widder von Augsburg. Mit einer ganz besonderen Technik eines Feingold-Siebdrucks ließ sie das Motiv auf eine Flasche übertragen. Somit ist der Jahrgang 2000 bei den Rothschilds ein Sammlerstück, dass sich sehr zum Leidwesen von Sammlern, nicht in einem Album unterbringen lässt und wird somit ein ganz besonderes "Einzelstück" bleiben.

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