Manchmal ist die Rückseite eines Etiketts noch interessanter als die Vorderseite. In diesem Fall haben wir ein 1939er Etikett der Weinhandlung Kaiserhof in Essen mit einer hübschen Mosel-Ansicht. Das Hotel Kaiserhof selbst hat eine spannende Geschicht, wie man z. B. im Wikipedia-Artikel nachlesen kann. Wir blicken aber hier auf die Rückseite.
Des Etikett wurde als Notizblatt für die Schadensmeldung infolge Gärung ausgelaufen verwendet. Datum ist der 29.3.43. Auf einem zweiten Etikett steht Bruch beim Transport, 15.3.43. Unterschrieben sind beide Meldungen mit Hagemann. Angesichts der kurzen Hinweise stellen sich Fragen nach den Hintergründen. War kriegesbedingte Mangel ein Grund für die Schäden? Wurde der Wein bereits in Flaschen angeliefert oder als Faßwein zur Abfüllung in Essen? Für letzters spricht, dass die beiden Etiketten nach ihrer Erhaltung zu urteilen nicht aufgeklebt waren. Leider fehlt jeder Hinweis auf ein Weingut, so dass wir nicht wisssen, woher der Wein stammt. Diese Fragen lassen sich kaum klären. Aber immerhin sind sie eine Anregung für unser Phantasie, wie wohl ein Weintransport in dieser schwierigen Zeit aussah.
Die Verwendung überzähliger Etiketten als Notizzettel ist - oder soll man besser sagen war - weit verbreitet. Manchmal bekam man sogar eine handschriftliche Rechnung auf der Rückseite eines Etiketts. Und oft konnte man als Käufer einige Notizzettel für die eigene Sammlung bekommen. Auch diese Quelle ist leider mit den modernen Selbstklebe-Etiketten versiegt.